Wenn da nicht GOZ, BEMA, morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich, Festzuschüsse, QM, GOÄ, EBM, elektronische Gesundheitskarte, Kassengebühr, Betriebsstättenkennziffer, Leitlinien, Vorsorgemedizin, Regelleistungsvolumen, Puffertage, Budgetierung, ausreichend-notwendige Behandlung, Zusatzleistung, Mehrkostenvereinbarung etc. wären.
Wer sich nichtständig mit Medizin und den unzähligen Gesundheitsreformen beschäftigt, hat jetzt wahrscheinlich kein Wort verstanden. Es handelt sich um Bausteine des sozialpolitischen Rahmens, in dem ich meine Arbeit ausübe.Gegen einzelne Baussteine ist nichts einzuwenden, im politischen Kontext werden sie zu Geiseln. Was ist dann eigentlich der Kontext und wie sieht das politische Konzept der ständigen Gesundheitsreformen aus:
Wir sind gewärtig Zeugen eines gigantischen Zerstörungsprozesses unserer Sozial-und Gesundheitssysteme, um die uns die Welt eigentlich beneidet. Die Zerstörung vollzieht sich in kleinen Schritten, die immer wieder unter dem Namen „Gesundheitsreform“ daherkommen. Dahinter verbirgt sich eine durchdachte Strategie, der Industrialisierung. Hat unsere Gesellschaft bisher einen Teil ihres Reichtums zum Wohle aller investiert, wird nun das Gesundheitswesen zur Quelle neuen Reichtums für Investoren, die hohe Renditen erwarten. Gesundheit wird zunehmend zur Ware, das Gesundheitswesen zu einem profitablen Industriezweig. Der Patient wird zum Kunden, der Arzt zum Dienstleister. Gerade dort wo Markt und Konkurrenz absolut nichts, nämlich in der Arzt-Patientenbeziehung, zu suchen haben, da ziehen sie mit Macht ein. Und dort wo Markt und Konkurrenz für beste Verhältnisse sorgen könnten, nämlich bei der Herstellung und Verteilung von Medikamenten, medizinischen Hilfsmitteln und Geräten, da werden sie durch Korruption, Lobbyismus und globale Konzentration an ihrer Entfaltung gehindert. Heute definiert die Pharmaindustrie, wer“krank“ ist, oder was „Krankheit“ ist. Nicht wenige Professoren sind eigentlich habilitierte Pharmavertreter, und alles andere als unabhängig.
Medizin ist Kunst, Heilkunst. Man braucht handwerkliche Fähigkeiten, naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse. Operieren kann man jedem unerschrockenen und begabten Handwerker beibringen. Was den Handwerker zum Arzt macht, ist, dass er mit dem kranken Menschen eine Beziehung eingeht, mit dem Ziel diesen Menschen zu heilen. Wer das nicht kann, ist kein Arzt.
Aus Hontschik,weissbook „so schön kann Medizin sein
Ich habe einen wunderbaren Beruf, den ich seit 31 Jahren ausübe, die ersten zehn Jahre an einer Klinik in einer Kleinstadt bei Leipzig und die letzten 21 Jahre in eigener Praxis in Martinsried bei München. Seit 31 Jahren arbeite ich als Zahnarzt. Es ist sehr befriedigend, wenn man kranken und verletzten Menschen helfen kann. In all den Jahren habe ich immer wieder neue Vorbilder und Lehrer getroffen, immer wieder dazulernen und meine zahnärztliche Arbeit konzeptionell und technisch auf den neuesten Stand bringen können. In meiner Praxis habe ich wunderbare Mitarbeiterinnen, helle, moderne Räume, alles ist technisch auf dem neuesten Stand, und jeden Morgen freue ich mich wieder auf meine Arbeit.
Wenn ich mich in unserer Gesellschaft und in der Welt umschaue,dann muß ich sagen, dass ich mich in einer privilegierten Situation befinde.